Idylle mit ertrinkendem Hund

MICHAEL KÖHLMEIER
Deuticke, ISBN: 978-3-423-13905-2

Idylle mit ertrinkendem Hund ist eines jener kleinen Bücher, die Großes beinhalten. Leise und bedächtig zieht die Erzählung den Leser in ihren Bann. Es ist das Unausgesprochene, ja sogar das Unaussprechliche, das ihr eine geradezu bedrückende Tiefe und Authentizität verleiht: Paula Köhlmeier, Tochter des Autors und selbst eine hoch begabte Dichterin, verunglückte 2003 im Alter von 21 Jahren bei einer Bergwanderung tödlich. Der Schmerz raubt dem Autor die „Kraft“ zu schlafen, reißt eine klaffende Wunde in sein Leben.

„Wie kann ich über den Tod unserer Tochter schreiben?“
„Willst du denn darüber schreiben?“
„Das möchte ich, ja.“
„Ich denke, ich weiß, wo das Problem liegt. Du bist dir nicht sicher, ob du Literatur machen willst oder bloße Erinnerung, hab ich recht?“
„Ich will, dass sie bei mir ist. Und ich habe die Hoffnung, dass sie näher bei mir ist, wenn ich über sie schreibe.“

Dies ist der dunkle Kern, um den Köhlmeiers Erzählung monadisch kreist: Wie ist das Verhältnis von Literatur und Leben beschaffen? Gibt es die heilende Kraft der literarischen Erinnerung wirklich? Doch Idylle mit ertrinkendem Hund ist weit davon entfernt, das wehmütige literarische Zeugnis einer erzählenden Selbsthilfe zu sein. Erst spät führt der Autor und Ich-Erzähler – hier fallen beide Instanzen einmal tatsächlich, ohne die Gefahr einer biographistischen Überinterpretation, zusammen – den Tod seiner Tochter in das Geschehen seiner Erzählung ein. Das Ringen um Worte, jene Grundkonstante jeglicher ernst zu nehmender Literatur, ist trotz allem schon von Beginn an der stets unterschwellig präsente Kern dieser Erzählung.